25 Jahre Safetronic
Wo unsichtbare Experten sichtbar werden

Die Safetronic findet in diesem Jahr zum 25. Mal statt und tritt damit den Beweis an, dass das Thema Safety am besten in einer Gemeinschaft von Expertinnen und Experten aufgehoben ist. Hier konnten und können sich diejenigen fundiert austauschen, die immer wieder die Weichen in Richtung mehr Sicherheit im Straßenverkehr stellen. Ein kurzer Rückblick auf eine Erfolgsgeschichte.

18. September 2026

Safetronic key visual
mask Safetronic key visual

Die meisten Menschen wissen gar nicht, dass es uns Safety-Experten gibt. Sie denken wahrscheinlich gar nicht darüber nach, dass viele von uns ihr Berufsleben dem Schutz der Menschen gewidmet haben. Aber warum sollten sie auch? Sie wissen wahrscheinlich nicht einmal, dass unsere Arbeit überhaupt notwendig ist. Und letztlich ist dies das beste Kompliment für unsere Leistung und wir haben alles richtig gemacht. In diesem Sinne sind wir Opfer unseres eigenen Erfolgs. Dennoch ist unsere Arbeit mehr als nur ein unschätzbarer Dienst an der Gesellschaft – sie ist der Grundpfeiler jedes Unternehmens in sicherheitsrelevanten Branchen. Unternehmen können Sicherheit zwar nicht als Verkaufsargument vermarkten, doch ohne Sicherheit würden sie überhaupt nichts verkaufen.

Warum ist das so? Sicherheit wird als das Fehlen unzumutbarer Risiken definiert. Doch »Fehlen« ist etwas, das sich das menschliche Gehirn nicht vorstellen kann. Wir können uns das wahre Nichts nicht vorstellen, uns keine völlige Leere ausmalen oder das Fehlen einer Sache gedanklich erfassen. Dennoch ist genau das das Ziel von Sicherheit: Menschen sollten sich keine Sorgen um Risiken machen müssen oder befürchten, dass ihr Leben durch die technischen Systeme in ihrer Umgebung, wie beispielsweise Autos, bedroht werden könnte.

Gemeinschaft von Fachleuten weist den Weg

Auch wenn es letztlich unser Ziel ist, dass wir von der breiten Öffentlichkeit unbemerkt bleiben, ist es umso wertvoller, Sicherheitsexpertinnen und -experten zusammenzubringen – die Eingeweihten, die wirklich verstehen, was die »Abwesenheit unzumutbarer Risiken« bedeutet und warum sie so entscheidend ist. Die größten Durchbrüche im Bereich Sicherheit entstehen bei einem fachlichen Austausch über Unternehmensgrenzen hinweg.

Genau aus diesem Grund hat sich die Safetronic vor rund 25 Jahren nicht nur als führende Sicherheitskonferenz etabliert, sondern markierte auch die Geburt einer lebendigen Gemeinschaft in unserem Fachgebiet Mit einer nun schon ein Vierteljahrhundert umfassenden Geschichte hat sich die Safetronic zur führenden Konferenz für die ganzheitliche Sicherheit von Straßenfahrzeugen entwickelt. Ein Rückblick auf ihr Vermächtnis bietet einen einzigartigen Einblick in die Entwicklung unseres Fachgebiets – die Menschen, die es geprägt haben, die Herausforderungen, die unsere Arbeit bestimmt haben, und wie sich die allgemeinen Veränderungen in Technologie, Märkten und Gesellschaft in unserer Arbeit widerspiegeln. Das ist Grund genug, einen genaueren Blick auf 25 Jahre Safetronic zu werfen.

Der Startschuss fällt

Als die Safetronic 2001 begann, war Safety noch stark von Entwicklungsprozessen, der Beherrschung technischer Ausfälle und Implementierungsfehlern geprägt. Während die Safetronic zunächst mit dem Fokus auf die Automobilindustrie startete, wurde sie später zunächst auf den Bahnbereich erweitert. Mit der ersten ISO 26262 im Jahr 2011 erhielt die Sicherheit von Straßenfahrzeugen jedoch einen eigenen normativen Rahmen. Für die Safetronic war das ein entscheidender Wendepunkt. Meine Geschichte mit der Konferenz begann im selben Jahr und bereits 2012 konzentrierten wir sie wieder ganz auf den Automobilbereich.

Allerdings war die ISO 26262 nur ein Anfang. Mit der Safety Of the Intended Functionality - SOTIF rückte neben dem technischen Fehler zunehmend das sichere Verhalten in offenen, nur teilweise vorhersehbaren Umgebungen in den Mittelpunkt. Die Funktionale Sicherheit war für moderne Fahrerassistenz- und automatisierte Fahrsysteme nicht mehr ausreichend. Und die Künstliche Intelligenz (KI) beschleunigte diesen Wandel nochmals radikal: Verhalten ist nicht mehr vollständig spezifiziert, sondern teilweise nur noch in Daten und Modellgewichten verankert. Damit reichen klassische Fehlermodelle und integritätsgetriebene Entwicklung allein nicht mehr aus. Wir müssen Risiken in realen Szenarien verstehen, Unsicherheit beherrschen und überzeugend nachweisen, warum ein lernendes System sicher genug handelt.

Herausforderung Covid gemeistert

Aber die Safetronic musste sich nicht nur in diesem fachlichen Wandel neu behaupten. Während der Pandemie hielten wir die Community zunächst virtuell zusammen. Als der Hanser-Verlag 2021 sein Veranstaltungsgeschäft einstellte, stand die Konferenz plötzlich vor dem Aus. Obwohl die Konferenzorganisation nicht zu unserem Kerngeschäft gehört, übernahmen wir als Fraunhofer-Institut für Kognitive Systeme IKS die Verantwortung für die Community. Wir führten die Safetronic zunächst hybrid weiter, dehnten ihren Fokus auf»Holistic Safety for Road Vehicles« aus und brachten sie wieder auf Wachstumskurs. 2023 erreichte sie einen Teilnahmerrekord, seit 2025 findet sie wieder vollständig in Präsenz statt, und dieses Jahr feiern wir nun 25 Jahre Safetronic.

Genau darin liegt für mich die Bedeutung von 25 Jahren Safetronic. Die Konferenz war nie nur ein Ort, an dem neue Standards erklärt wurden. Sie war immer auch ein Spiegel dafür, worum wir als Community gerade ringen: um Begriffe, um Nachweismethoden, um Grenzen bestehender Ansätze und um neue Paradigmen. Von der funktionalen Sicherheit über SOTIF bis zur Safety von KI, von einzelnen Komponenten zu vernetzten Systemen, vom Fehler eines Bauteils zum sicheren Verhalten eines lernenden Systems, vom stabilen Entwicklungsprozess zur kontinuierlichen Änderung: Die Safetronic begleitet diese Entwicklung nicht nur. Sie bietet den Raum, in dem wir sie gemeinsam gestalten.

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