Interview mit Florian Wörter
»ResilientSOA macht sowohl neue als auch bestehende Systeme sicher«

In der modernen Lagerlogistik ist Geschwindigkeit ein entscheidender Erfolgsfaktor. Dafür sorgen unter anderem autonome mobile Roboter (AMR). Um ihre Aufgaben zu erfüllen, müssen sie möglichst flexibel auf neue Umgebungsbedingungen und Lagerwaren reagieren. ResilientSOA, das Framework des Fraunhofer IKS, schafft die Voraussetzungen dafür. Wie das genau funktioniert, erläutert Projektleiter Florian Wörter im Interview.

mask Mobiler Roboter im Warenlager
Frage

Hans-Thomas Hengl:

Florian, was genau ist resilientSOA?

Antwort

Florian Wörter:

ResilientSOA ist ein Framework, das das Fraunhofer-Institut für Kognitive Systeme IKS entwickelt hat. Es ist die Antwort auf die Herausforderung, dass auch sicherheitskritische eingebettete Systeme immer flexibler werden müssen. Denn sie haben die Aufgabe, Systeme von anderen Anbietern zu integrieren. ResilientSOA ist die Lösung dafür: Das Framework macht sowohl neue als auch bestehende Systeme sicher. Das wird erreicht durch Software Contracts und deren Überprüfung zur Laufzeit.

Frage

Hans-Thomas Hengl:

Welchen Mehrwert bringt resilientSOA für Unternehmen?

Antwort

Florian Wörter:

Die Partner, mit denen das Fraunhofer IKS zusammenarbeitet, stehen vor der schwierigen Aufgabe, Systeme zu flexibilisieren. Das betrifft zum Beispiel bereits das Aktualisieren eines Systems. Dabei kann ResilientSOA helfen, indem es monolithische Systemsoftware modularisiert und mit Software-Contracts versieht. Diese können vor, während und nach dem Update validiert werden, um sicherzustellen, dass sich die aktualisierte Komponente sicher in das System integriert. So entfällt die aufwendige Aktualisierung des gesamten Systems, was den Unternehmen Zeit und Geld spart.

Aber nicht nur beim Update, sondern auch während des Betriebs des Systems führt ResilientSOA ständig Adaptierungen durch, um, abhängig vom externen Kontext und Systemzustand, das Kundensystem sicher und performant zu halten. So lassen sich Systemfehler deutlich reduzieren und die Effizienz des Systems steigt.

Florian Wörter
Bild

Florian Wörter: »Das Einbinden von ResilientSOA in bestehende Systeme ist problemlos möglich.«

Frage

Hans-Thomas Hengl:

Was macht resilientSOA besonders?

Antwort

Florian Wörter:

ResilientSOA kann ganz einfach als Shared Library in das System integriert werden. Besonderen Wert hat das Forschungsteam darauf gelegt, dass die Contracts einfach zu erstellen sind. Entsprechende Tools haben wir auf Grundlage des Eclipse Modelling Framework (EMF) entwickelt. Erweitertes Tooling, um die Erstellung der Contracts noch einfacher zu machen, ist bei Bedarf möglich.

ResilientSOA zielt darauf ab, neue, aber auch bestehende Systeme, anpassungsfähig und flexibel zu machen. Daher ist das Einbinden des Frameworks in bestehende Systeme, zum Beispiel in eine Umgebung auf Basis des Roboter-Betriebssystems ROS 2, problemlos möglich. Unternehmen, deren Systeme komplexe branchen- oder anwendungsspezifische Aufgaben erfüllen, unterstützen wir gerne bei der Ausarbeitung und Umsetzung eines entsprechenden Gesamtkonzepts.

Youtube

ResilientSOA and Automated Guided Vehicles

Frage

Hans-Thomas Hengl:

Wie sieht die Zukunft von resilientSOA aus?

Antwort

Florian Wörter:

Fraunhofer geht den Weg der anwendungsorientierten Forschung. Das heißt, resilientSOA wird zum einen als Ausgangspunkt für wissenschaftliche Arbeiten dienen. Dazu gehören z.B. Arbeiten über erweiterte Konzepte der sicheren Dienstorchestrierung. Zum anderen ist resilientSOA wichtig, um Kunden unsere Konzepte der Flexibilität und Resilienz näher zu bringen. Wir werden daher das Framework laufend weiterentwickeln und verbessern.


Dieses Vorhaben wurde im Rahmen des Projekts Unterstützung des thematischen Aufbaus des Instituts für Kognitive Systeme durch das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie gefördert.

Nächster Artikel

ResilientSOA
Towards Resilient Architectures for Cognitive Systems

Nicola Franco
Nicola Franco
Industrie 4.0 / Fraunhofer IKS
Industrie 4.0