Mobilität der Zukunft
Nachhaltigkeit statt Pferdestärken

Auto-Show war gestern. In diesem Jahr präsentiert sich die IAA Mobility in München als internationale Plattform für die Mobilität von morgen.

mask Straßenbahn, Fahrräder und Autos in einer Großstadt

Natürlich sind die deutschen Größen der Automobilbranche vom 7. bis zum 12. September in München dabei, wenn die IAA Mobility ihre Pforten öffnet. Und trotzdem ist dieses Mal alles anders. Von einem »Dreiklang« sprechen die Veranstalter: Dieser besteht aus dem »Summit« auf dem Messegelände in Riem, wo Marken- und Produktpräsentationen zu sehen sind sowie Konferenzen für Professionals stattfinden. Unter anderem die IAA Mobility Conference mit über 500 internationalen Sprecherinnen und Sprechern. Hinzu kommt der »Open Space«, in dessen Rahmen verschiedene Plätze der Münchner Innenstadt zu Foren des Austauschs über Mobilitätskonzepte der Zukunft werden. Und gleichzeitig zu Bühnen erlebbarer Technologien. Die Blue Lane schließlich verbindet die City mit der Messe. Auf dieser Teststrecke soll zukunftsorientierte Mobilität im wahrsten Sinne »erfahrbar« werden, verspricht der Veranstalter.

Thematisch ist die IAA breit aufgestellt und hat längst nicht mehr nur das Auto im Fokus: »Auto, Digital, Rad und Stadtplanung – wir bringen heute zusammen, was morgen zusammengehören muss«, sagt Jürgen Mindel, Geschäftsführer des Veranstalters Verband der Automobilindustrie VDA. »Wir zeigen die neuen Konzepte und laden ein zur Debatte über den richtigen Weg hin zur klimaneutralen Mobilität.«

Autonomes Fahren zum Anfassen

Dieser Weg führt ganz sicher über innovative Technologien und Konzepte. Dabei stehen Themen im Mittelpunkt, die auch in der Forschung des Fraunhofer-Instituts für Kognitive Systeme IKS eine zentrale Rolle spielen. Zum Beispiel das autonome Fahren. So bringt auf dem Messegelände im Rahmen der Blue Lane ein autonom fahrender Shuttle-Bus die Besucherinnen und Besucher von A nach B.

Beim autonomen Fahren spielt Sicherheit im Sinne von Safety eine zentrale Rolle. Ein vielschichtiges Thema, dem sich auch die Forschung am Fraunhofer IKS widmet. So arbeiten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler daran, wie sich Entscheidungen autonomer Fahrzeuge auf Basis Künstlicher Intelligenz (KI) absichern lassen, zum Beispiel die Perzeption (Wahrnehmung) von Menschen im Straßenverkehr durch das System. Aber die Anforderungen gehen weit über das sichere Erkennen von Menschen hinaus. Kamera-, Radar- und Lidar-Systeme des fahrerlosen Autos erfassen Daten aus der Umgebung. Daraus entsteht unter anderem mit Hilfe von KI ein komplexes Umfeldmodell. Dieses liefert die Grundlage für sämtliche Fahrentscheidungen, die das autonome Fahrzeug trifft. Die Sicherheit solcher Umfeldmodelle zu gewährleisten, gehört ebenfalls zu den Forschungsgebieten des Fraunhofer IKS.

Aber nicht nur einzelne Fahrzeuge und Verkehrsmittel bilden die Mobilität von morgen ab. Wichtig ist auch eine Infrastruktur, die Verkehrsteilnehmer untereinander sowie mit Kreuzungen, Ampeln und anderen Anlagen verbindet. Und nicht nur das: Über die Erhebung von Daten, so die IAA, können sich digitale Technologien ein umfassendes Bild über alle Verkehrsströme in einer Stadt errechnen, sich in Echtzeit an gegebene Situationen anpassen und den Verkehrsfluss deutlich optimieren. Etwa, indem Ampelphasen angepasst oder Routen aufgrund von Staus umgeleitet werden.

Smart Cities brauchen Intelligente Verkehrssysteme

Dementsprechend gehören auch intelligente Verkehrsinfrastrukturen im Rahmen von Smart-City-Konzepten zu den Trendthemen der IAA: von der Frage, wie Smart Cities generell aussehen werden über Shared-Mobility-Konzepte und autonomes Fahren auf Abruf bis zur Frage, wie Gebäude mit den neuen Mobilitätslösungen interagieren.

So präsentiert der VDA zusammen mit Partnern der Automobilbranche im Messeparkhaus West das Automated Valet Parking (AVP). Zu sehen sind Fahrzeuge, die autonom einparken. Ein solches automatisiertes Parksystem, mit Cloud-Anbindung, haben auch die Forscherinnen und Forscher des Fraunhofer IKS untersucht. Cloud-basiertes AVP kann nämlich die Koordination zwischen den Fahrzeugen verbessern und Informationen von Infrastruktursensoren, etwa aus dem Parkhaus, einbeziehen. Das Fraunhofer IKS forscht an adaptiven Softwarearchitekturen für fahrerlose Autos. Das System passt sich selbstständig an veränderte Umgebungsbedingungen an und ermöglicht so einen vorausschauenden Umgang mit Störfaktoren, wie einem Ausfall der Verbindung zur Cloud.

Diese Vernetzung von Systemen sowie die Bereitstellung von Daten hoher Qualität, wie dieses Beispiel zeigt, sind wichtige Wegbereiter für die Mobilität von morgen, die allen zugutekommt. Nicht nur Autofahrern. Hier geht die IAA MOBILITY 2021 bewusst einen entscheidenden Schritt weiter. Sie stellt die Transformation zur klimaneutralen Mobilität als eine der wichtigsten weltweiten Herausforderungen in den Mittelpunkt der Veranstaltung. Offenbar nicht ganz ohne Erfolg: Unter den rund 700 Ausstellern sind schon im ersten Jahr des neuen Konzepts über 70 Marken aus der Fahrradbranche anzutreffen.

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