Interview mit Julia Beck
»Vereinbarkeit von Beruf und Familie wird am Institut gelebt«

Gleitzeit, Homeoffice, Kita-Plätze: Zum Internationalen Frauentag am 8. März erläutert Julia Beck, Beauftragte für Chancengleichheit am Fraunhofer IKS, was das Institut unternimmt, um die Gleichstellung von Frauen voranzubringen.

09. März 2021

mask Versuch und Mitarbetende

Judith Anger: Julia, wie steht es deiner Meinung nach um die Chancengleichheit allgemein?

Julia Beck: Ich denke, es ändert sich langsam etwas am Bewusstsein, aber der Weg zur Chancengleichheit ist noch weit! Beispiel Gender Pay Gap: Wie kann es sein, dass die vom Statistischen Bundesamt errechnete Lohnlücke zwischen dem durchschnittlichen Bruttostundenverdienst von Männern und Frauen in Deutschland immer noch bei 19 Prozent liegt? Beispiel Teilzeitfalle: Wie kann es sein, dass Teilzeit oftmals noch die Aufstiegschancen verbaut? Wieso gibt es in der Forschung, v.a. in den technischen Bereichen, immer noch zu wenig Frauen? Am Fraunhofer IKS liegt der Frauenanteil bei 40%, da sind wir auf einem guten Weg. Zudem ist mit dem Tarifvertrag im öffentlichen Dienst, dem TVÖD, alles Finanzielle natürlich sehr viel transparenter als in der Privatwirtschaft.

Judith Anger: Du engagierst dich seit Sommer 2020 als Beauftragte für Chancengleichheit am Fraunhofer IKS. Was ist dir dabei besonders wichtig?

Julia Beck: Das Thema Gleichstellung ist mir wichtig, es gibt einfach keinen Grund, warum Männer und Frauen nicht gleichgestellt sein sollten! Wobei ich betonen möchte, dass das Thema eben auch für Männer gilt: Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist kein reines Frauenthema. Beziehungsweise sollte es das nicht sein. Nur wenn Erwerbsarbeit und Care-Arbeit gerecht geteilt werden kann, wenn Teilzeit und Elternzeit auch für Männer selbstverständlich sind, ist Chancengleichheit erreicht.

Julia Beck Portraet
Bild

Julia Beck: »Das Thema Gleichstellung ist mir wichtig, es gibt einfach keinen Grund, warum Männer und Frauen nicht gleichgestellt sein sollten!«

Judith Anger: Besonders im vergangenen Jahr mit Corona haben die Statistiken aber leider gezeigt, dass vor allem Frauen ihre Berufstätigkeit hintenanstellen, um der Kinderbetreuung, dem Home Schooling und Co. gerecht zu werden. Wie geht das Fraunhofer IKS das Thema Vereinbarkeit an?

Julia Beck: Ich bin im vergangenen Jahr selbst als Mutter eines Kleinkindes am Fraunhofer IKS gestartet und war begeistert, auf wieviel Verständnis ich gestoßen bin. Schon vor der besonderen Situation mit der Pandemie bot das Institut viele Benefits um Familie und Beruf gut zu vereinbaren: flexible Gleitzeitregelungen, die Möglichkeit im Home Office zu arbeiten, Plätze in der Kita, Ferienbetreuung und das Mit-Kind-Büro. Aber was noch viel wichtiger ist: Der Wunsch nach einer besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie wird am Institut gelebt, ganz besonders auch vom Direktorium.

Gender Pay Gap

Der Gender Pay Gap ist die Differenz des durch­schnitt­lichen Brut­to­stun­den­ver­dienstes der Frauen und Männer im Verhältnis zum Brutto­stun­den­ver­dienst der Männer. Frauen verdienten 2019 durchschnittlich 19 % weniger je Stunde als Männer.

Quelle : Statistisches Bundesamt

Judith Anger: Du hattest es schon angesprochen: In der Forschung gibt es immer noch einen zu geringen Frauenanteil. Wie fördert das Fraunhofer IKS Frauen in den wissenschaftlichen Berufen?

Neben den schon genannten Benefits rund ums Thema Vereinbarkeit bietet das Institut das TALENTA Förderprogramm der Fraunhofer Gesellschaft. TALENTA unterstützt auf allen Karrierestufen die wissenschaftlichen und persönlichen Kompetenzen der geförderten Frauen und vernetzt sie Fraunhofer-weit. Mit der IKS Academy bietet unser Institut darüber hinaus ein breites Spektrum an Weiterbildungen und Qualifizierungen für alle Mitarbeitenden.

Beauftragte für Chancengleichheit

Die Beauftragte für Chancengleichheit (BfC) ist Ansprechpartnerin für Fragen zur Gleichstellung von Frauen und Männern, zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie und zum Schutz vor sexueller Belästigung am Arbeitsplatz. Sie setzt sich für gleiche Entwicklungschancen für Frauen und Männer in der angewandten Forschung ein.

Aber auch die kleinen Dinge sind wichtig! Das Thema Geschlechtersensibilität hat einen hohen Stellenwert am Institut. Wie wir alle kommunizieren macht einen gewaltigen Unterschied! Ein Beispiel: Unsere Personalabteilung legt sehr viel Wert auf geschlechterneutrale Ausschreibungen. Die Beauftragte für Chancengleichheit ist übrigens auch stets in den Bewerbungsprozess eingebunden.

Wir werden in den nächsten Monaten als Institut wachsen und freuen uns auf viele neue Kollegen – und eben auch besonders auf viele Kolleginnen. Es braucht einfach verschiedene Perspektiven, von Mann und Frau, von Junior und Senior, um die beste Lösung für ein Problem zu finden. Gemischte Teams sind nachweislich erfolgreicher!

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