Porträt Johannes Karg
»Es ist wichtig, dass KI-Entscheidungen nachvollziehbar sind«

KI faszinierte den angehenden Mediziner bereits im Studium. Das ist auch nach seinem Abschluss so geblieben: Heute forscht Dr. Johannes Karg am Fraunhofer IKS an einem breitgefächerten Anwendungsbereich von KI in der Medizin.

27. November 2025

Kristall
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»Stuck in a loop we replay, nothing to feel or to say«. Die Worte des neusten Songs »ATS« der Münchner Band Clear Coast schwingen durch den Raum. Ihren Sound beschreiben die vier Musiker als Dream Pop. »Live spiele ich hauptsächlich Gitarre, aber singe auch ein paar Songs oder bin am Synthesizer«, erzählt Johannes Karg. Je nach Song steht ein anderer der vier Bandmitglieder vorne am Mikrofon, so gibt es bei der 2020 gegründeten Band nicht den einen Sänger oder den einen Gitarristen. Doch nicht nur auf der Bühne herrscht bei Clear Coast pure Teamarbeit, auch das Schreiben und die Produktion der Songs findet gemeinsam, komplett in Eigenregie statt.

Für Johannes ist die Musik zwar sehr viel mehr als ein Hobby, aber eben nicht Hauptberuf. Tagsüber forscht der 32-Jährige am Fraunhofer-Institut für Kognitive Systeme IKS an der Vertrauenswürdigkeit von Künstlicher Intelligenz (KI) in der Medizin. »Es ist wichtig, dass die Entscheidungen der KI am Ende vollständig nachvollziehbar und transparent sind«, sagt Johannes. »Nur so lässt sich Künstliche Intelligenz zuverlässig in sicherheitskritischen Bereichen wie dem Gesundheitsweisen einsetzen.«

Menschen als Ganzes verstehen

Bereits vor Beginn seines Studiums konnte sich Johannes vorstellen, später in der Forschung zu arbeiten. »Medizin war für mich besonders spannend, da ich unbedingt die menschliche Physiologie, Biochemie und Medizin als Ganzes verstehen wollte«. Nach dem Abitur zog der gebürtige Allgäuer für sein Medizinstudium nach München. Durch sein Studium an der Technischen Universität München entdeckte er schließlich auch seine Faszination für die KI-Forschung. Ein erster Berührungspunkt: die Teilnahme an dem Kurs Computer Science for Medical Students. Anschließend promovierte er im Bereich der digitalen Medizin und erkannte die großen Potenziale von Künstlicher Intelligenz in der Medizin.

Johannes Karg
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Dr. Johannes Karg, ist Teil des Teams »Trustworthy Digital Health« am Fraunhofer IKS

Seit Dezember 2024 arbeitet Johannes am Fraunhofer IKS im Team »Trustworthy Digital Health« von Dr. Katie Fitch. Gemeinsam mit seinen Teamkolleginnen und -kollegen forscht er an einem breitgefächerten Anwendungsbereich von KI in der Medizin. Ein Forschungsprojekt, an dem er zurzeit arbeitet, ist die KI-gestützte EKG-Analyse. Zum einen können so kardiologische Erkrankungen analysiert werden, zum anderen scheint es ebenfalls möglich, auch nicht-kardiologische Krankheitsbilder wie beispielsweise Diabetes festzustellen. Dabei sieht Johannes insbesondere in der niederschwelligen Verfügbarkeit ein großes Potenzial. So zum Beispiel in Hausarztpraxen oder über die Verwendung von Wearables, die Patientinnen und Patienten zuhause nutzen können und über die Krankheiten möglicherweise schneller erkannt werden können.

Wenig Routine, viel Abwechslung

Der Arbeitsalltag von Johannes ist vielseitig: Validierung und Entwicklung von KI-Modellen gehören ebenso dazu wie die Projektakquise oder der Austausch mit Forschungspartnerinnen und -partnern. Besonders viel Spaß macht ihm jedoch die Projektarbeit, insbesondere weil er hier sein medizinisches Wissen konkret anwenden und mit seinem KI-Know-how kombinieren kann.

Neben der Musik findet Johannes einen weiteren Ausgleich zu seiner engagierten Forschungsarbeit im Sport. Momentan steht Tennis bei ihm besonders hoch im Kurs. Doch im Winter findet man ihn auch öfters in den Bergen und dann am liebsten beim Langlauf-Skating oder auch auf dem Snowboard.

Für Johannes ist klar: Der Einsatz von KI hat vielfältige Potenziale in der Medizin. So erhofft er sich beispielweise, dass in Zukunft mit KI individuellere Therapien ermöglicht werden. Gerade bei chronischen Erkrankungen könnte ein personalisiertes Management zu einer zusätzlichen Therapiesäule werden. Ebenso wichtig für ihn ist die Frage, ob und wie sich der Entscheidungsprozess von Ärztinnen und Ärzten verändert, wenn sie Künstliche Intelligenz täglich in Ihrer Arbeit anwenden.

Für die kommenden Jahre wünscht er sich, dass noch mehr KI-Forschung den Weg in die klinische Praxis findet und medizinisches Personal auch in administrativen Aufgaben vermehrt durch KI unterstützt werden kann.

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