Nächster Artikel
Porträt Hoai My Van
»Elektrotechnik und Informationstechnik war mein BWL«
Im Studium hat Hoai My Van zum Thema Künstliche Intelligenz gefunden. Deren zuverlässige Nutzung in der industriellen Fertigung steht im Mittelpunkt ihrer Arbeit am Fraunhofer IKS. In ihrer Freizeit gibt jedoch jemand anders den Ton an: Biffi.
© iStock/ollo
Für eine gebürtige Berlinerin ist der Weg in die oberbayerische Gemeinde Ampfing mindestens ungewöhnlich, wenn nicht kurios. Dazwischen lagen immerhin fast zwanzig Jahre in München. Als Hoai My Van in die bayerische Landehauptstadt kam, ging sie in die vierte Grundschulklasse. Dann, auf dem Gymnasium entdeckte sie ihr Interesse und ihre Begabung für Naturwissenschaften. »In der Oberstufe muss man sich ja für zwei naturwissenschaftliche Fächer entscheiden, ich hätte aber lieber drei genommen«, sagt My. »Das ging leider nicht, deshalb habe ich mich für Physik und Chemie entschieden. Am liebsten hätte ich noch Informatik gemacht.«
My ist übrigens kein Spitz- oder Kosename, sondern in Vietnam der offizielle Rufname. Ihre Eltern kamen noch zu DDR-Zeiten als Arbeiter nach Ostberlin. Dort lernten sie sich kennen und My kam in der Bundeshauptstadt zur Welt. Die heute 31-Jährige ging schon sehr früh in die Kindestagesstätte und seit der Grundschule immer in den Hort. Ihre Eltern, berichtet sie, legten großen Wert auf Integration und darauf, dass My als erstes Deutsch lernt und eine gute Ausbildung erhält.

© Fraunhofer IKS
Hoai My Van ist Teil des Teams Automation Systems am FRaunhofer IKS
Die hat sie dann an der TUM in München absolviert, wo sie Elektrotechnik und Informationstechnik studierte und mit dem Master abschloss. »Dieses Studium war ein bisschen mein BWL, weil ich eben noch nicht ganz genau wusste, wo ich hinwollte«, erinnert sie sich mit einem Schmunzeln. »Dann hat mir jemand diesen Studiengang empfohlen und ich habe angefangen.«
Studium: Software hat die Nase vorn
Im Studium hat My dann gemerkt, dass ihr der Software-Bereich mehr am Herzen liegt als der Hardware-Bereich. Und so hat sie dann, vor allem im Master-Studium, ihren Weg zur Künstlichen Intelligenz gefunden.
Und noch etwas hat sie im Studium gelernt: das Schafkopfen. In einer festen Runde hat My regelmäßig gespielt, mit großem Spaß, wie sie sich erinnert. Aber dann nach dem Studium löste sich die Runde auf. Aber Schafkopfen würde sie schon gerne wieder, sagt sie. »Ich weiß aber nicht, wie gut ich noch bin.«
Spiele und Spieleabende waren schon im Studium Mys Ding, berichtet sie. »Ich bin eher der Mensch, der Leute zum Spielen oder Kochen einlädt als jemand, den es in Bars oder Clubs zieht.« Bei Kochabenden steht das Miteinander im Vordergrund. My mag es am liebsten, wenn man sich sein Essen selbst flexibel zusammenstellen kann. Oft ist das asiatisch, zum Beispiel Korean BBQ, Sommerrollen, Hotpot. Aber auch Raclette oder Burritos gehören dazu.
Aufs Land mit dem Vierbeiner
Wenn My in ihrer Freizeit nicht kocht oder spielt, macht sie gerne lange Spaziergänge mit ihrem Hund Biffi, einem fünf Jahre alten Eurasier-Weibchen. Dafür finden sie und ihr Mann auf dem Land die idealen Voraussetzungen. Und zwischendurch kann sich Biffi im großen Garten austoben.
Für ihren Hund sind My und ihr Mann 2022 nach Ampfing gezogen, zwei Jahre, nachdem sie am Fraunhofer IKS angefangen hat. Hier arbeitet My als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich Automation Systems. Ihr Spezialgebiet ist die zuverlässige Nutzung von Machine Learning – und seit neustem von großen Sprachmodellen – in Fertigungsapplikationen oder auch im Schienenverkehr. Angefangen hat sie mit der reinen Projektarbeit, inzwischen ist sie auch noch im Business Development aktiv. Eine abwechslungsreiche Tätigkeit, die My sehr genießt.
Dabei stand ihr Start am Fraunhofer IKS unter keinem guten Stern.»Zwei Wochen habe ich am Institut gearbeitet, dann begann der Lockdown wegen Corona«, erzählt My. Das ist zum Glück vorbei und sie kommt wieder regelmäßig ans Institut, um ihre Kolleginnen und Kollegen zu treffen. »Man kann sich zwar auch online abstimmen, aber ein persönlicher Austausch ist eben doch wichtig, um sich im Team wohlzufühlen.«


